
Wildtierzählung 2025 mit Drohnentechnologie – Einsatz von Wärmebilddrohnen zur großflächigen Erfassung von Schalenwildpopulationen im südlichen Schleswig-Holstein –
Projektträger: Kreisjägerschaft Segeberg e. V.
Zusammenfassung
Die Erfassung von Wildtierpopulationen stellt eine zentrale Grundlage für ein modernes Wildtiermanagement dar. Insbesondere bei großräumig vorkommenden Schalenwildarten sind belastbare Bestandsdaten für jagdliche, forstliche und naturschutzfachliche Entscheidungen von hoher Bedeutung.
Im Herbst/Winter 2025 wurde daher in den Kreisen Segeberg, Pinneberg und Stormarn eine großflächige Bestandserhebung mittels Wärmebilddrohnen durchgeführt. Ziel war die Erfassung von Rotwild (Cervus elaphus), Rehwild (Capreolus capreolus), Damwild (Dama dama) sowie Schwarzwild (Sus scrofa) innerhalb eines Untersuchungsgebietes von über 22.300 ha.
Die Untersuchung stellt eine der bislang umfangreichsten drohnengestützten Wildtiererfassungen Norddeutschlands dar.
Die Erhebung erfolgte zwischen dem 30. November und dem 5. Dezember 2025 durch BH Wildlife Consultancy in Zusammenarbeit mit der Kreisjägerschaft Segeberg e. V., dem Damwildring Kisdorfer Wohld, dem Rotwildring Hasselbusch sowie dem Hochwildring Segeberger Heide.
Insgesamt wurden 343 Drohnenstartpunkte eingerichtet, um eine nahezu vollständige Abdeckung der Untersuchungsflächen zu gewährleisten.
Die eingesetzten Drohnensysteme (DJI Matrice 30T und DJI Matrice M350 mit H30T-Sensorik) ermöglichten eine zuverlässige Detektion von Wildtieren auch in strukturreichen Waldgebieten.
Die Witterungsbedingungen waren während des gesamten Erfassungszeitraums überwiegend günstig, mit Temperaturen zwischen −1 °C und +5 °C sowie überwiegend bedecktem Himmel, wodurch optimale thermische Kontraste erzielt wurden.
Methodik
Die Methodik basiert auf der Erfassung von Wärmesignaturen mittels hochauflösender Thermalkameras, die an Drohnensystemen montiert sind. Die Auswertung erfolgte in Echtzeit sowie anhand georeferenzierter Bilddaten. Die Erfassung orientierte sich an einer systematischen Rasterbegehung, wobei die Untersuchungsflächen in Teilbereiche gegliedert wurden. Um Doppelzählungen auszuschließen, wurden sämtliche Beobachtungen räumlich und zeitlich abgeglichen. Zusätzlich wurden hochauflösende Tageslichtaufnahmen zur Artbestimmung sowie zur Erfassung von Geschlecht und Altersklasse herangezogen.
Die Methode liefert keine absolute Populationsgröße, sondern eine belastbare Mindestbestandsgröße zum Zeitpunkt der Erfassung. Bereiche mit einer geschätzten
Sichtbarkeit von weniger als 50 % wurden von der Dichteberechnung ausgeschlossen,
um eine Verzerrung der Ergebnisse zu vermeiden. Dieses Vorgehen erhöht die
Vergleichbarkeit zwischen den Untersuchungsflächen und verbessert die Aussagekraft
der Dichteschätzungen.
Ergebnisse
Innerhalb des Untersuchungsgebietes wurden insgesamt 5.396 Individuen der Familie
Cervidae sowie 709 Stück Schwarzwild nachgewiesen. Zusätzlich wurden zahlreiche
weitere Wildtierarten dokumentiert, darunter Nutria, Waschbär, Baummarder,
Fischotter, Iltis, Marderhund sowie mehrere Wolfsnachweise. Auch verschiedene
Greifvogelarten konnten während der Befliegungen beobachtet werden.
Die Verteilung der nachgewiesenen Schalenwildarten zeigte deutliche räumliche
Unterschiede. Rehwild stellte mit 3.073 Individuen die häufigste Art dar und machte
rund 50 % aller erfassten Wildtiere aus. Damwild wurde mit 1.621 Individuen erfasst,
während 702 Stück Rotwild und 709 Stück Schwarzwild nachgewiesen wurden.
Besonders hohe Wilddichten wurden in den südöstlichen Teilgebieten festgestellt. Die
durchschnittliche Gesamtdichte innerhalb der Untersuchungsflächen betrug 22,3 Stück
Schalenwild pro km². Dabei erreichte das südöstliche Untersuchungsgebiet eine Dichte
von 51,8 Individuen pro km² und lag damit deutlich über den Werten der nordwestlichen
und südwestlichen Teilflächen. Die hohe Dichte resultierte vor allem aus starken
Damwildvorkommen. Im Gegensatz dazu konzentrierte sich Rotwild überwiegend auf
die nördlichen Untersuchungsräume, wo über 79 % des Gesamtbestandes
nachgewiesen wurden.
Die Analyse der Alters- und Geschlechterstruktur zeigte artspezifische Unterschiede.
Beim Rotwild wurden 24 % männliche Tiere, 48 % weibliche Tiere und 23 % Kälber
erfasst. Rehwild wies einen Anteil von 15 % Böcken, 45 % weiblichen Stücken und 24 %
Kitzen auf. Beim Damwild entfielen 15 % auf Hirsche, 48 % auf weibliche Tiere und 19 %
auf Kälber. Der Anteil nicht eindeutig bestimmbarer Individuen lag je nach Art zwischen
5 % und 18 %.
Aus den Daten wurden Reproduktionsraten berechnet. Diese lagen beim Rehwild mit
52,6 % am höchsten, gefolgt vom Rotwild mit 47,8 %. Das Damwild zeigte mit 39,4 % die
niedrigste Nachwuchsrate. Diese Unterschiede können auf artspezifische
Habitatnutzung, Populationsdynamik sowie unterschiedliche Umweltbedingungen
zurückgeführt werden.
Diskussion
Die Ergebnisse belegen eindrucksvoll das Potenzial drohnengestützter
Wärmebildtechnik für großräumige Wildtiermonitoringprogramme. Im Vergleich zu
konventionellen Methoden wie Scheinwerfertaxationen, Ansitzbeobachtungen oder
Streckenanalysen ermöglicht die Technik eine direkte Erfassung tatsächlich
vorhandener Individuen. Insbesondere in großen Waldgebieten können Wildbestände deutlich präziser quantifiziert werden als mit traditionellen Verfahren.
Die hohe Zahl von über 5.300 erfassten Hirschartigen innerhalb weniger Tage verdeutlicht die Effizienz des Verfahrens. Gleichzeitig zeigen die Daten erhebliche räumliche Unterschiede zwischen den Untersuchungsgebieten. Während Rotwild stark auf die nördlichen Waldkomplexe konzentriert war, dominierten Reh- und Damwild in den strukturreichen Offenland-Wald-Mosaiken der südlichen Untersuchungsräume. Die Beobachtung großer Rotwildrudel weist auf eine ausgeprägte Konzentration in geeigneten Winterlebensräumen hin.
Ein weiterer Vorteil der Methode liegt in der Möglichkeit, Geschlechter- und Altersstrukturen direkt zu erfassen. Dadurch können nicht nur Bestandsgrößen, sondern auch populationsbiologische Kennzahlen wie Nachwuchsrate, Geschlechterverhältnis und räumliche Verteilung analysiert werden. Diese Informationen sind für die Ableitung nachhaltiger Bejagungsstrategien von erheblicher Bedeutung.
Gleichzeitig bestehen weiterhin methodische Grenzen. Die Erfassung ist von der Sichtbarkeit der Tiere abhängig und kann durch dichte Vegetation beeinflusst werden. Trotz hoher Detektionswahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass einzelne Individuen unentdeckt bleiben. Die dargestellten Werte stellen daher Mindestbestände dar und keine absoluten Populationsgrößen. Dennoch bieten die Ergebnisse eine deutlich höhere Genauigkeit als die meisten bislang eingesetzten Monitoringverfahren.
Interpretation der Ergebnisse
Eine Besonderheit ergibt sich bei der Interpretation der Damwildbestände im südöstlichen Untersuchungsraum (SE). Die mittels Wärmebilddrohnen erfassten Tiere wurden überwiegend innerhalb von Waldflächen sowie entlang von Waldrändern detektiert. Damwild nutzt in dieser Region jedoch in erheblichem Umfang das Offenland als Nahrungs- und Aufenthaltsraum. Da die Befliegungen aus methodischen Gründen primär auf die Wald- und Waldrandbereiche ausgerichtet waren und Offenlandflächen nur eingeschränkt Bestandteil der systematischen Erfassung waren, ist davon auszugehen, dass ein Teil der Population während der Zählung nicht erfasst wurde. Die dokumentierten 1.116 Stück Damwild im südöstlichen Untersuchungsgebiet sind daher als Mindestbestand zu interpretieren. Unter Berücksichtigung der bekannten Habitatnutzung des Damwildes erscheint es wahrscheinlich, dass der tatsächliche Gesamtbestand in dieser Region deutlich über den erhobenen Werten liegt. Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich die Bedeutung einer ergänzenden Erfassung von Offenlandbereichen, um künftig eine noch vollständigere Bestandsabschätzung zu ermöglichen.
Schlussfolgerungen
Die vorliegende Untersuchung demonstriert, dass Wärmebilddrohnen eine leistungsfähige und wissenschaftlich belastbare Methode zur Erfassung großräumiger Schalenwildbestände darstellen. Die Erhebung lieferte erstmals flächendeckende Daten über die Verbreitung, Dichte und Populationsstruktur von Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild in einem großräumigen Landschaftsausschnitt Schleswig-Holsteins.
Die Kombination aus hoher räumlicher Auflösung, geringer Störwirkung und effizienter Datenerhebung eröffnet neue Möglichkeiten für das Wildtiermanagement sowie für Forschungsvorhaben zur Habitatnutzung und Populationsökologie. Die Ergebnisse legen nahe, dass wiederholte Erhebungen in mehrjährigen Intervallen in kleineren Sektoren wertvolle Informationen über Bestandsentwicklungen und die Wirksamkeit wildtierbezogener Managementmaßnahmen liefern können. Damit stellt die drohnengestützte Wärmebildzählung einen bedeutenden Fortschritt für ein evidenzbasiertes Wildtiermonitoring in Mitteleuropa dar.
Eine Wildtierzählung mittels Drohneneinsatz kann nur einen momentanen und örtlich begrenzten Einblick in die Populationsstrukturen geben. Die Zahl der Gesamtpopulation daraus abzuleiten ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, jedoch nicht das Ergebnis der Befliegung.
Untersuchungsgebiet
- Gesamtfläche (Kerngebiet): 22.331,83 ha
- Erweiterte Fläche (inkl. Puffer): 34.985,93 ha
- Anzahl Reviere & Forstbereiche: 119
- Flugpunkte: 343
- Ø Fläche pro Flugpunkt: ca. 0,65 – 2 km²
Das Gebiet wurde systematisch in Teilbereiche gegliedert (Nord, Südost, Südwest), um eine effiziente Erfassung zu gewährleisten.
Methodik
Die Erfassung erfolgte mittels:
- Wärmebilddrohnen (Thermalkameras)
- standardisierten Flugrouten
- digitaler Datenerfassung und Auswertung
Diese Methode ermöglicht eine störungsarme, präzise und flächendeckende Erhebung – insbesondere in den Wintermonaten.
Ergebnisse der Wildtierzählung
Hirschartige (Cervidae)
- Gesamt: 5.396 Tiere
Schwarzwild (Suidae)
- Gesamt: 709 Tiere
Haustiere
- Gesamt: 157
Weitere Arten (45 Nachweise)
Darunter u. a.:
- Eichhörnchen
- Baummarder
- Waschbär
- Fischotter
- Wolf
- Seeadler, Habicht, Bussard
Bedeutung der Ergebnisse
Die erhobenen Daten liefern:
- Unterstützung für Wildtiermanagement und Naturschutz
- bessere Einschätzung von Populationsentwicklungen
- Entscheidungsgrundlagen für Jagdverbände und Behörden
Dank
Ein besonderer Dank gilt:
- allen beteiligten Jägerinnen und Jägern
- den Drohnenpiloten
- den unterstützenden Organisationen
Ohne diese Zusammenarbeit wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.
Kontakt
Kreisjägerschaft Segeberg e. V.
Für Rückfragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
durchgeführt von
BH Wildlife Consultancy beauftragt durch die Kreisjägerschaft Segeberg e.V.
Unterstützt von
- Rotwildring Hasselbusch
- Damwildring Kisdorf
- Hochwildring Segeberger Heide
