Von der ökologischen Erkenntnis zum integrierten Wildtier-, Flächen- und Jagdmanagement

Rothirschgestützte Offenlandentwicklung
Natürliche Landschaftspflege durch Rotwild – Forschung in der Praxis
Heide- und Offenlandflächen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Schleswig-Holsteins. Ihr Erhalt ist jedoch mit hohem Pflegeaufwand verbunden. Das Projekt „Rothirschgestützte Offenlandentwicklung“ verfolgt einen neuen Ansatz: Rothirsche werden nicht nur als Wildtiere betrachtet, sondern gezielt als natürliche Landschaftspfleger eingesetzt. Ziel ist es, ihre natürlichen Verhaltensweisen zu nutzen, um Offenlandflächen dauerhaft offen zu halten, die biologische Vielfalt zu fördern und gleichzeitig Waldlebensräume zu entlasten.
Unser Ansatz
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Rothirsche durch Äsung, Verbiss, Trittwirkung und Samenverbreitung erheblich zur Gestaltung von Landschaften beitragen können. Das Projekt entwickelt daraus erstmals ein praxistaugliches Managementsystem, das Naturschutz, Wildtiermanagement und Jagd miteinander verbindet.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Lebensräume so gestaltet werden können, dass Rothirsche gezielt Offenlandbereiche nutzen und dort natürliche Pflegeleistungen erbringen. Dazu werden attraktive Äsungsflächen geschaffen, störungsarme Rückzugsräume entwickelt und großräumige Lenkungsmaßnahmen erprobt.
Naturschutz und Jagd gemeinsam denken
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Integration eines modernen Jagdmanagements. Jagd wird dabei nicht allein als Instrument zur Bestandsregulierung verstanden, sondern als wichtiger Baustein zur Steuerung der Wildtierverteilung und zur langfristigen Sicherung des Gesamtsystems. Gleichzeitig können jagdwirtschaftliche Erträge dazu beitragen, Pflege- und Managementmaßnahmen teilweise zu finanzieren.
Ziele des Projekts
- Entwicklung eines übertragbaren Managementkonzeptes für Heide- und Offenlandflächen
- Förderung natürlicher Landschaftspflege durch Rothirsche
- Verbesserung der Biodiversität und der Lebensraumqualität
- Entlastung angrenzender Waldökosysteme
- Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger und langfristig finanzierbarer Lösungen
- Verknüpfung von Naturschutz, Wildtiermanagement und nachhaltiger Nutzung
Modellprojekt für Schleswig-Holstein
Auf ausgewählten Projektflächen werden verschiedene Maßnahmen über mehrere Jahre erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in Leitfäden, Handlungsempfehlungen und Managementstandards ein, die auch auf andere Regionen übertragen werden können.
Zukunftsorientierter Naturschutz
Das Vorhaben schließt die Lücke zwischen ökologischer Forschung und praktischer Umsetzung. Es zeigt, wie natürliche Prozesse gezielt genutzt werden können, um wertvolle Offenlandlebensräume zu erhalten, Pflegekosten zu reduzieren und gleichzeitig neue Perspektiven für einen nachhaltigen, prozessorientierten Naturschutz zu schaffen.
